17. März 2025. Heute vor 5 Jahren habe ich beim Amtsgericht für mein Unternehmen „Radissimo Radreisen“ Insolvenz angemeldet.
Als das Kuvert im Briefkasten verschwand stand fest: Diese Entscheidung wird mein Leben verändern. Ein Leben, das ich seit 16 Jahre führte. Noch vor wenigen Tagen blickte ich voller Tatendrang in die Zukunft.
Mit dem Radissimo-Team starte ich am Freitag, 13.3.2020 zum Betriebsausflug. Wir radeln durch die Pfalz und alle lernen „Genussradeln mit dem E-Bike“ kennen. Die Marke, die ich vor 1,5 Jahren übernommen habe und wir gemeinsam weiterentwickeln wollen.
Auf dem Rückweg hören wir Nachrichten. Die Pandemie hat Deutschland erreicht: die Grenzen schließen, Reisen ist verboten, Veranstaltungen abgesagt, Schulen schließen…
Mein Mann ist Touristiker, ich bin Reiseveranstalterin, wir haben zwei Kinder zu Hause und seit heute keine Einnahmen mehr. Die Welt steht still. Wie soll es weitergehen?
Das Wochenende verbringe ich paralysiert auf der Couch. Meine Gedanken rasen und spielen alle Szenarien in Dauerschleife durch. Wie kann ich meine Firma und die Arbeitsplätze retten? Wie kann ich weder Gäste noch Dienstleister enttäuschen?
Ich bin überzeugt, dass es lange dauert. 2 Jahre sagt mein Bauch. Nicht 2 Wochen. Nicht 2 Monate. Nein, ich bin überzeugt, es werden 2 Jahre. Keine Ahnung warum, aber ich vertraue wie immer meinem Bauchgefühl.
Schließlich die entscheidende Frage an meinen Mann: Unterstützt Du mich, wenn ich Insolvenz anmelde und ab morgen kein Gehalt mehr bekomme? Natürlich kann ich wie immer 100% auf ihn zählen.
Es ist Sonntagnachmittag. Ich rufe meinen Unternehmensberater an und bitte ihn um Unterstützung. Zahlreiche Telefonate, Auswertungen und Mails später sind am Dienstag, 17.03.2020 die Unterlagen fertig. Die Zahlen sind eindeutig. Durch die Investitionen im Vorjahr sind die Rücklagen knapp und die Radreise-Saison ist zu kurz, um 2-3 Monate ohne Einnahmen zu überstehen, bis die Menschen wieder reisen wollen. Und der Winter ohne Einnahmen kommt bestimmt.
Die Alternativen sind Schulden oder sich auf staatliche Hilfen verlassen, die vielleicht kommen sollen. Also abhängig sein, wo ich doch selbstständig bin? Das ist nichts für mich!
Meine Entscheidung steht fest – die emotional schwierigste und gleichzeitig unternehmerisch sinnvollste. Ich bin ab sofort Unternehmerin ohne Unternehmen.
Die Hoffnung: Eine Insolvenz muss nicht das Ende sein. Es kann auch der Anfang von etwas Neuem sein.
Und nun 5 Jahre später, kann ich sagen: Die Entscheidung war richtig. Mein Leben hat sich verändert. Ich bin gewachsen, habe neue Ziele und blicke wieder voller Tatendrang in die Zukunft.
Wie hat die Pandemie Dein Leben verändert?